Beratung » Fluechtlinge  

print
2005-11-20
Source: OPP

Eingeschränkte Bewegungsfreiheit

AsylantragstellerInnen dürfen aufgrund der sogenannten Residenzpflicht den ihnen zugewiesenen Landkreis nur mit einem »Urlaubsschein« verlassen. Opfer rassistischer Gewalt werden so in ihrem Zugang zu Therapieeinrichtungen und der Möglichkeit, den TäterInnen aus dem Weg zu gehen, eingeschränkt.

Ein häufiges, mit der Residenzpflicht verbundenes Problem ist, dass Therapieangebote und -plätze in dem zugewiesenen Landkreis nicht zur Verfügung stehen.

Flüchtlinge können bzw. müssen bei der zuständigen Ausländerbehörde sogenannte Urlaubsscheine beantragen. Werden diese bewilligt, dürfen sie sich kurzzeitig aus dem jeweiligen Landkreis herausbewegen. Ziel und Dauer ihres »Urlaubs« sind auf dem Schein vermerkt. In ihrer Vergabepraxis verhalten sich die Ausländerbehörden unterschiedlich. Wird die Vergabe restriktiv gehandhabt, kann eine Begleitung von AntragstellerInnen durch MitarbeiterInnen von Beratungsstellen zur Behörde sinnvoll sein.

Nach einem Angriff kann es für die Stabilisierung des Betroffenen überaus wichtig sein, die Umgebung des Tatorts zu verlassen. Die Angst, den TäterInnen erneut zu begegnen, kann die psychische Verarbeitung des Angriffs erschweren, Rückzugstendenzen und Vermeidungsverhalten fördern.

Grundsätzlich gibt es die Möglichkeit, bei der zuständigen Ausländerbehörde einen Antrag auf Umverteilung zu stellen. Praktisch ausgeschlossen ist eine Umverteilung in ein anderes Bundesland, aber die Umverteilung in einen anderen Landkreis kann erreicht werden, wenn der Antrag gut begründet und mit psychologischen Gutachten untermauert wird. Die Opferhilfe Brandenburg, die in sechs Landkreisen oder kreisfreien Städten Beratungsstellen unterhält, kann ein solches Gutachten erstellen. Gegebenenfalls muss für die Beratungsgespräche zunächst ein Urlaubsschein beantragt werden.

(OPP)

print

links:

external link Flüchtlingsrat Brandenburg  [Zusammenschluss für die Rechte von Flüchtlingen]
external link Opferhilfe Brandenburg  [Beratung für Kriminalitätsopfer]