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AUSSTELLUNG

Ausstellung »Opfer rechter Gewalt«

»Opfer rechter Gewalt«

Die Wanderausstellung erinnert an die Todesopfer rechter Gewalt von 1990 bis 2005.

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27.10.2009
Source: OPP

»Jeden Tag sagt Jemand Scheiß-Neger zu mir«

Frau W. floh mit ihrem Sohn aus Togo. Aufgrund ihrer politischen Aktivitäten gegen die nordafrikanische Diktatur wurde sie als Flüchtling nach der Genfer Flüchtlingskonvention anerkannt. Seit fünf Jahren lebt sie in Potsdam. Mit ihren zwei Kindern wohnt die Alleinerziehende in einer kleinen Wohnung am Schlaatz, einem der drei Stadtteile Potsdams. Frau W. engagiert sich in einer christlichen Gemeinde.

»Menschen mit schwarzer Hautfarbe passen nicht nach Deutschland.« Zustimmung: 26 % (Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes)

Jeden Tag, wenn man nach draußen auf die Straße geht, muss man etwas Schlimmes über Ausländer oder Schwarze hören. Manchmal, wenn die Jungen mit dem Auto vorbeikommen, dann hupen sie und sagen »Scheiß-Afrikaner«. Omas oder Opas fragen manchmal: »Warum bist du nach Deutschland gekommen und hast hier so viele Kinder gemacht?« Ich antworte dann nicht, weil ich nicht weiß, wo diese Leute wohnen. Wenn ich nach Hause gehe, könnte es passieren, dass es ein Nazi war und er mich dann in den Rücken schlägt, und ich könnte sofort tot oder verletzt sein. Deshalb antworte ich nicht. Ich gucke nur. In der Straßenbahn und beim Einkaufen passiert es jeden Tag, dass Leute sagen: »Du bist Scheiße« oder »Neger«. Alte Leute sagen das nur leise, junge Leute sind aggressiver.

Ich kenne eine Oma am Schlaatz, die sagt immer: »Deutschland bezahlt für alle diese Kinder, die Ausländer kommen nur hier hin, um Kinder zu machen und um damit Geld zu verdienen.« Bei ihr lache ich nur. Und wenn ich dann lache, wird sie noch böser auf mich und sagt dann noch mehr. An einem Tag, als sie so etwas gesagt hat, hat ein deutscher Mann sie gefragt, ob das ihre Meinung zu Kindern sei: »Warum sagen Sie, sie kommen nur und die Deutschen würden dafür bezahlen? Deutschland braucht Kinder. Diese Kinder sind nicht nur schwarze Kinder, sondern auch in Deutschland geboren und es ist ihr Recht, Kinder zu bekommen.« Sie hat dann »Ja, ja, ja« gesagt, und er hat böse geguckt. Da, wo ich vorher in Potsdam gewohnt habe, gab es einen Opa, der saß immer in der Wohnung bei offenem Fenster und hat auf die Straße geguckt. Wenn er uns gesehen hat, ist er raus gekommen und hat dann Geräusche wie ein Affe gemacht. Wenn er das gemacht hat, hat er auch gefragt, ob meine Kinder einen Schwanz haben. Ich habe ihn dann gefragt, warum er so was sagt. Er hat dann gesagt, er will doch nur gucken, weil die Schwarzen wie Affen sind. Ich habe dann gesagt: »Du bist doof, Opa«, und er hat gesagt, »Entschuldigung, das war keine böse Frage, das war nur ein Spaß.«

Ich habe eine vietnamesische Nachbarin, die sich mit allen im Haus gut versteht. Aber wenn ich Hallo zu den anderen sage, dann antwortet mir niemand. Warum? Weil ich schwarz bin? Ich weiß es nicht. Ich habe keinen Platz in Deutschland. Es gibt andere, die sind weiß, aber nicht aus Deutschland und die verstehen sich gut mit den Leuten. Aber ich bin nicht aus Deutschland, ich komme aus Afrika und habe eine andere Farbe. Vielleicht ist meine Farbe eine Scheiß-Farbe oder meine Farbe ist nicht gut zu sehen? Ich weiß nicht, wie es für andere ist. In dem ganzen Haus gibt es nur zwei Familien, die gut zu mir sind. Da kann ich auch Guten Morgen sagen.

Wenn sie sagen, Deutschland ist das Vaterland nur für Deutsche, dann denken sie nicht richtig nach. Denn dann würden auch alle anderen Län-der sagen, die Deutschen müssen nach Hause gehen. Ich würde gerne noch sagen, dass wir alle Menschen sind und alle das gleiche Blut haben. Wir müssen versuchen zu denken, dass alle Menschen in der Welt gleich sind und auch die glei-chen Rechte haben. Mann muss auch überall hingehen können, denn die Welt ist für alle Menschen.

(mabe)

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