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AUSSTELLUNG

Ausstellung »Opfer rechter Gewalt«

»Opfer rechter Gewalt«

Die Wanderausstellung erinnert an die Todesopfer rechter Gewalt von 1990 bis 2005.

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2009-10-27
Source: OPP

»Man muss sich immer rechtfertigen«

M. studiert Jura an der Potsdamer Universität. Zuvor hat sie ein Psychologiestudium in Berlin und Italien abgeschlossen. Geboren ist sie in Korea. Als Säugling von einer deutschen Familie adoptiert, wuchs sie in einem Vorort von Berlin auf.

»Wir müssen aufpassen, dass wir nicht von einer Einwanderungswelle überrollt werden.« Zustimmung: 75 % (Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes)

Bei einem Vorbereitungstreffen für ein Seminar in Jura musste jeder seinen Namen sagen und kurz erläutern, was man dort möchte. Der Prof hat dann erstens mein gutes Deutsch gelobt und sich zweitens gewundert, warum ich so einen wirklich pur deutschen Namen habe. Ich musste das dann vor versammelter Mannschaft erklären. Als das Seminar dann vorbei war, kam er noch mal auf mich zu und fragte mich, ob ich ein Buch kenne, das »Reise in die chinesische Vergangenheit« hieße. Ich hatte vorher schon erwähnt, dass sich, wenn überhaupt, meine Wurzeln in Korea befänden. Das war nicht grob beleidigend, aber für mich war das schon an der Grenze. Und als das Seminar dann richtig losging, kam er noch mal zu mir. Ich hatte eine Tasche umgehängt, die hatte ich von einer Freundin geschenkt bekommen, und auf dieser waren asiatische Schriftzeichen. Frevelhafterweise wusste ich noch nicht mal, wo die herkamen und was die zu bedeuten hatten. Er sprach mich jeden-falls darauf an, was die denn hießen, und da ich es nicht wusste, hat er gesagt: »Vielleicht bedeuten die ja: Ich bin doof.« Daraufhin habe ich gesagt: »Vielleicht heißen die auch: Wer das ließt, ist doof.«

Es ist bei solchen Anfragen oder Kommentaren schwierig. Die sind ja nicht so offensichtlich diffamierend, das ist ja sehr subtil und ich kann ihn dann nicht darauf festnageln, dass er ein Rassist ist. Er würde mir dann wahrscheinlich entgegnen, dass er einfach nur Interesse an meiner Person hat. Das macht es schwierig, damit umzugehen. In einer solchen Situation fühlt man sich immer in einer Bringschuld, man muss erklären und sich rechtfertigen. Man muss Dinge erklären, die persönlich sind und die eigentlich nur die besten Freunde etwas angehen. Man muss seine Biografie offen legen, die keinen etwas angeht. Das macht ein ungutes Gefühl. Was auch so eine Sache ist, bei der man nicht weiß, ob das so gemeint ist, ist, wenn man in der S-Bahn nach Potsdam sitzt und die ist voll, aber es möchte sich partout niemand auf den freien Platz neben dich setzen. Dann kommt einem schon so ein Gedanke, dass das damit was zu tun haben könnte. Aber natürlich kann das auch übertrieben sein. Man ist auf seine eigene Wahrnehmung zurückgeworfen.

(mabe)

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